Unsere Beziehungen zu Madagaskar sind etwas Besonderes. Das liegt an der langen Freundschaft zu Jean und Odette Froschlé, die viele Jahre in Deutschland gedient haben. 1997 sind sie als Mitarbeiter einer französischen Organisation nach Madagaskar ausgewandert, um dort unter den Armen zu helfen. Doch sie brauchen immer wieder unsere Hilfe, da die Not und die Verwüstungen nach Naturereignissen oft unvorstellbar sind.
Doch Froschlés lassen sich nicht entmutigen. Sie haben wirklich ein großes Herz. So fahren sie in Dörfer, die von anderen wegen ihrer Unzugänglichkeit gemieden werden.
Manchmal dauern die Fahrten z.B. nach heftigen Regenfällen für etwa 50 km über einen Tag. Und bei allem verlieren sie nicht ihren Humor und ihre Vision!
Tagebuch eines Missionars
Obwohl die neue Regierung Madagaskars alles daransetzt, den Armen zu helfen, verschlechtert sich die Situation der Bevölkerung immer mehr. 25 Jahre sozialistischer Misswirtschaft können leider nicht von heute auf morgen geändert werden.
Dazu war die Regenzeit, die Anfang Dezember begann, diesmal besonders stark. In Antananarivo gab es im Januar ca. 25 000 Obdachlose. Viele Häuser waren durch den starken Regen eingestürzt, Straßen vom Wasser überflutet und für Tage unpassierbar. Die Reisernte musste noch unreif geerntet werden. Die Leute haben tagelang bis zur Brust im Wasser gearbeitet, um nicht verhungern zu müssen. Und durch skrupellose Spekulanten klettert der Reispreis sofort nach oben.
Oft stehen wir vor herzbewegenden Nöten: Hungernde Kinder und Mütter stehen bettelnd an unserer Tür, mittellose Kranke, manchmal direkt aus dem Krankenhaus entlassen, mit nichts weiter als dem, was sie am Leib tragen. Manche sind aus der Provinz gekommen und haben kein Geld mehr, um mit dem Busch-Taxi nach Hause zurückzufahren. Wir brauchen eure Gebete, um richtig zu entscheiden, wo und wie wir helfen sollen.
Bei solchen Naturkatastrophen verlieren die Armen ihr bisschen Hab und Gut. Es gibt keine Sozialhilfe, keine Versicherung, kein Geld … alle sind auf fremde Hilfe angewiesen.
In der Hauptstadt gibt es Organisationen, die mit der neuen Regierung bemüht sind, Not zu lindern durch Ausgabe von Decken, Kleidung, Nahrung und ärztlicher Versorgung. Aus dem Grund haben wir nichts in der Hauptstadt untergenommen. Durch Hilfe von NEHEMIA fuhren wir wieder in den Busch. Dorthin kommen nur wenige Leute wegen der schlechten Straßen, wenn überhaupt solche existieren.
Donnerstag und Freitag, 2. / 3. Januar:
Abfahrt um 3 Uhr morgens. Nach den ersten 380 km ist die Straße durch die Regenzeit unpassierbar. Wir wollen umkehren, aber unser kleiner Laster bleibt bis zu den Achsen im Schlamm stecken. Weit und breit kein Auto und niemand, der uns helfen kann. Dazu ist die Gegend bekannt für nächtliche Überfälle. Unsere Gebete steigen ununterbrochen zu Gott.
Kurz vor Anbruch der Dunkelheit kommt uns ein Allradfahrzeug entgegen, und der Fahrer ist bereit, uns herauszuziehen. Wie dankbar sind wir unserem Gott für seine Hilfe!
Samstag, 4. Januar:
Unser Ziel ist Mananjary, eine mittelgroße Stadt (etwa 30 000 Einwohner) an der Südost-Küste, 600 km von Antananarivo entfernt. Die Stadt war früher ein beliebter Kurort, mit prachtvollen Villen. Es gab fünf Tankstellen, heute nur noch eine. Nur Ruinen …
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Gemeindegruppe in Mananjary
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Wohlbehalten am Ziel angekommen, wird uns ein warmer Empfang bereitet und wir können erst einmal ausschlafen. Am nächsten Tag soll die Verteilaktion beginnen. Wir stehen mit unserer Liste für 200 Menschen vor einer Menge von mindestens 500 Armen.
Dennoch können wir sie versorgen: mit Reis (Hauptnahrungsmittel), Bohnen, Speiseöl, Kerzen, Seife, Zahnbürsten, Zahnpasta, Decken und Kinderkleidung. Leider müssen wir die Verteilung vorzeitig beenden, da einige die Waren rücksichtslos an sich reißen wollen. Noch ein kurzes Wort an alle, wer ihr Versorger immer sein will, Jesus!
Da wir keine Kleidung zum Verteilen haben, sind wir entschlossen, eine arbeitlose Näherin einzustellen. Sie ist Witwe und gehört zu unserer Gemeinde. So kann sie mit ihren vier Kindern ihren Lebensunterhalt verdienen. Kürzlich wurde sie aus ihrer Hütte ausgewiesen, weil diese auf einem fremden Grundstück steht … Jetzt freut sie sich, Arbeit und Nahrung zu haben. Bitte tragt dies Anliegen im Gebet mit uns, dass wir sie weiter beschäftigen können. Durch ihre Arbeit konnten wir etwa 600 Kinder mit neuer, von uns angefertigter Kleidung versorgen: Unterhosen, T-Shirts, Kleider, Hosen, Röcke.
Montag, 6. Januar:
Heute sind Gläubige aus einer 15 km entfernten Zweiggemeinde eingeladen, um von den Hilfsgütern ihren Teil zu bekommen. Die Austeilung verläuft reibungslos, in Frieden und Ordnung. Welch ein Gegensatz zu Nichtchristen!
Am Nachmittag wird der nächste Einsatz vorbereitet. Die Liste von 150 Familien wird auf 250 ergänzt, die Verteilung soll am nächsten Tag am anderen Ufer des Flusses Mananjary in einem Fischerdorf erfolgen.
Dienstag, 7. Januar:
Alles muss per Boot über den Fluss transportiert werden. Früher gab es eine Fähre. Unser Gastgeber, ein Franzose, der sich als Atheist bezeichnet, stellt uns seine „Flotte“ zur Verfügung. Wir versogen mehr Menschen als vorgesehen.
Mittwoch, 8. Januar:
Einsatz in einem Dorf, das noch nicht mit dem vollen Evangelium erreicht ist. Wahrscheinlich wird unsere Evangelisation nächstes Mal dort beginnen. Auch hier müssen wir mit dem Boot hinüberfahren und die Güter vom Boot auf Menschenrücken etwa einen Kilometer auf schlammiger Piste zum Dorf hinaufschleppen.
Donnerstag, 9. Januar:
Unser letzter Tag. Wir versorgen noch einige Arme eines kleines Dorfes und packen unsere Fahrzeuge für die Rückfahrt am Freitagmorgen.
• Neben dieser Hilfsgüterausteilung durften wir auch eine Gemeinde mit 20 Sitzbänken und 50 madegassischen Bibeln versorgen.
• Für ein anderes Dorf haben wir einen Brunnen geplant (154 Euro). Trinkwasser ist überall ein Problem. In diesem Dorf sind etwa 200 Menschen ohne Trinkwasser.
Auch „unsere“ Weisenkinder haben wir besucht und ihnen ein Haus bauen lassen. Als wir zum ersten Mal dort waren, entdeckten wir die drei Waisenkinder mit einem Baby in erbärmlichem Zustand. Das kleinste Kind, etwa zwei Jahre, aß gerade Gras, als wir kamen. Alle waren unterernährt und in Lumpen gehüllt. Ihre Hütte war vergleichbar mit einem Hühnerstall in Europa. Diese Kinder haben nur überlebt, indem das Mädchen im Wald Essbares suchte und auf dem Markt der 6 km entfernten Stadt verkaufte.
Die neue Hütte kostete 260 Euro und ist nun die schönste im Dorf mit zwei Zimmern und Küche!
Die Zusammenfassung der Hilfsleistung: sechs Dörfer erreicht, drei Gemeinden, 754 Familien versorgt, davon etwa 100 christliche (entspricht ungefähr 3000 bis 3500 Personen) mit Lebensmitteln, Medikamenten und Bibeln.
Jean und Odette Forschlé
... bedeutet „Neuigkeit“. Mit diesem madagassischen Wort, liebe Mitstreiter, Mitbeter und Helfer, liebe NEHEMIA-ler, möchten wir unseren ersten Bericht über unsere gemeinsame Aktion an der Ostküste Madagaskars, südlich vom Haupthafen Tamatave überschreiben.
Doch zunächst möchten wir uns herzlich bedanken bei allen Gebern und Betern, ohne die diese Hilfsaktion gar nicht zustande gekommen wäre.
Mit einer Gruppe der Apostolischen Mission „Betania“ machten wir uns auf den Weg. Leider regnete es ununterbrochen. Wir engagierten auch einen Fahrer und Dolmetscher, der sich für zwei Wochen mit 40 Euro zufrieden gab.
Zwei Teams wurden eine Woche vorher vorausgeschickt, die zu Fuß durch den Busch von Dorf zu Dorf gingen, um die Notlage festzustellen. Dann beauftragten sie aus jedem Dorf einige Verantwortliche, mitzukommen, um die Güter für die Armen des Dorfes in Empfang zu nehmen. Während ihres Aufenthaltes bei uns mussten diese auch von uns mit Nahrung versorgt werden, insgesamt ca. 200 Personen.
Unser Team bestand aus etwa dreißig Leuten in sechs Fahrzeugen. Wir starteten auf der guten nationalen Straße. Doch nach 180 km endete diese. Zwar sollte die Reparatur seit Monaten im Gange sein, aber nach einem Kilometer wurde es katastrophal. 45 km schlammige Piste, teilweise bis 30 cm Schlamm, tiefe Löcher mit schlammigem Wasser, das bis zum Kühler unserer Autos reichte. Ein paarmal mussten wir den Kühler ausbauen und von Schlamm befreien.
Aber Gott war wirklich mit uns. Ein Beispiel: Unser VW-Bus verlor im Schlamm seinen Tankdeckel. Nicht weiter schlimm, doch wichtig, da es dauernd regnete. Als 24 Stunden später die andere Gruppe ankam, erzählte unsere Krankenschwester, dass sie an einer bestimmten Stelle Angst bekommen hatte und ausgestiegen war. Sie wollte die gefährliche Strecke zu Fuß gehen. Und siehe da, im Schlamm fand sie einen Deckel. In Madagaskar nimmt man alles mit, weil alles gebraucht wird. Und als wir von dem Fund hörten, stellte sich heraus, dass es unser verlorener Tankdeckel war. Wie gut ist Gott! Das machte uns Mut für die Rückfahrt, die dann noch schlimmer wurde, mit 50 cm hohen Schlammmassen, manchmal bis 70 cm.
Erreichte Versorgung
Was wir dann tun konnten, war, etwa 500 Kinder mit Shorts, Kleidern, Unterhosen und Hemden zu versorgen und Erwachsene mit einigen Ballen Kleidung. Außerdem verteilten wir fünf Tonnen Reis, dazu Bohnen, Zucker, Kerzen, Salz, Speiseöl, Streichhölzer, Seife und die so wichtigen Wolldecken. Eine arme Frau wollte mir aus Dankbarkeit für die empfangene Decke ihre ganze Ernte schenken.
In dieser Gegend gibt es kaum etwas zu kaufen. Gemüse und Fleisch sind sehr teuer, da fast alles aus Antananarivo transportiert wird. Durch den schlechten Zustand der Straßen kommen nur wenige LKW durch. Während der Krise kam überhaupt nichts mehr in die Gegend, da es gar keinen Sprit mehr gab.
Offen für die Gute Botschaft
Die Gelegenheit, das Evangelium zu verkündigen, ist optimal. Die Menschen sind hungrig nach dem Wort Gottes. Sie kommen bis 30 km zu Fuß, um die Botschaft zu hören, auch bei Regen und manchmal mit leerem Bauch. Das Elend ist unbeschreiblich.
Mit einer Hilfsaktion ist es wohl nicht getan. Überall, wo man hinkommt, zerreißt es einem das Herz, die Not zu sehen. Besonders die Kinder und Alten sind schwer dran.
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Bei einem Aufruf, wer Jesus vertrauen wollte, gingen fast alle Hände hoch. Bereits vor zwei Jahren hatte ich in dieser Gegend gepredigt. Damals hatte ich gesagt, dass Gott das Land vor den zerstörerischen Zyklonen bewahren kann, wenn wir zu ihm beten. Jetzt erlebten die Menschen in dieser Gegend Gottes Bewahrung. Jedes Jahr zwischen Februar und Mai kommen die Stürme, auch in diesem Jahr. Fünfmal wurde Alarm ausgelöst, doch jedes Mal wendeten die Stürme kurz vor der Küste nach Nord oder Süd. Und der letzte Zyklon richtete nicht allzu großen Schaden an und war von viel Regen begleitet. Wir sehen auch in den Naturereignissen Gottes Handeln. So weit man zurückdenken kann, gab es zu dieser Jahreszeit noch nie einen Zyklon. Und dieser verheerende Sturm kam gerade zu der Zeit, als der abgewählte Präsident das Land zu verwüsten drohte und auch damit begann. Nur noch wenige Menschen, die er durch Bestechung hielt, standen zu ihm, aber diese Katastrophe hat auch sie zum Nachdenken gebracht. Wir müssen weiter beten.
Die neue Regierung hat begonnen, die Strukturen zu ändern. Da der neue Präsident Christ ist, sind wir zuversichtlich. Bittet mit uns, dass er sich von den Politikern nicht beeinflussen lässt. Macht und Geld sind große Feinde. Aber Gott ist mächtiger.
Unsere nächste Aktion
Im Verbindung mit den zuständigen Ministerien wollen wir in einer Gegend starten, wo Hagel die Ernte verwüstet hat. Danach berichten wir wieder.
Unserem Herrn Jesus Christus und seinem Werk verbunden verbleibe ich euer Mitarbeiter
Jean Forschlé
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